Visionen des Fairen Handels

In welcher Welt möchten wir leben? Welche Visionen für die Zukunft haben wir? Diese Fragen stellen bundesweit die Weltläden an die Konsumenten und insbesondere an die Politiker in Berlin. Als Fachgeschäfte für Fairen Handel tragen Weltläden zu mehr Gerechtigkeit im Handel mit den Ländern des Südens bei und setzen sich für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbäuerinnen und -produzentinnen ein.

"Die politischen Herausforderungen sind enorm - national, europaweit und global. Viele Menschen blicken besorgt in die Zukunft. Umso wichtiger sind positive Visionen, die alle Menschen einschließen", so Alexandra Bäumle und Claudia Kammerer vom Ladenteam des Weltlädeli. Und Willi Moosmann ergänzt, die Fair-Handels-Bewegung verbinde Menschen auf der ganzen Welt, die überzeugt sind, dass es sich lohnt, für eine lebenswertere Zukunft zu kämpfen.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September haben das Forum Fairer Handel und der Weltladen-Dachverband ihre Visionen für die Zukunft formuliert:

  • Alle Menschen können weltweit in Würde arbeiten und sich dadurch einen guten Lebensstandard leisten.
  • Die Landwirtschaft kann uns alle nachhaltig und ökologisch ernähren und ermöglicht den Bäuerinnen und Bauern weltweit ein gutes Auskommen.
  • Wir sind eine weltoffene, solidarische Gesellschaft, die lebenswerte Perspektiven für Schutzsuchende bietet und in der Rassismus und Diskriminierung keinen Platz haben.

Der Zustand der Erde zwingt uns, unser Handeln zu überdenken. "Bauern und nicht die Konzerne ernähren die Welt.", so Bischof Luis Flavio Cappio aus Brasilien. "Wenn wir schauen, welche Landwirtschaftsform auch heute noch die meisten Tische deckt, so sind es die bäuerlichen Familienbetriebe. Auf kleinen Flächen stellen sie den Großteil unserer Lebensmittel her und garantieren damit unsere Ernährungssicherheit, mit einfachsten Mitteln und viel Handarbeit." Alle Produkte in den Weltläden sind preiswert, d.h. ihren Preis wert!


Jugendlicher näht Basecap

Fairer Handel zeigt Wirkung

Willi Moosmann nahm als Vertreter des Murger Weltlädelis an einem Treffen mit peruanischen Kaffeeproduzenten in Schorndorf teil.

Kleber Cruz Garcia, Produktmanager Kaffee bei der GEPA, Jose Rojas, Geschäftsführer von Cepicafé, Joe Pisconte Reyes, Technikexperte Norandino, Fernando Reyes, Geschäftsführer von Norandino, Jenny Robledo, Produktionsleiterin Zuckermühle
Kleber Cruz Garcia, Produktmanager Kaffee bei der GEPA, Jose Rojas, Geschäftsführer von Cepicafé, Joe Pisconte Reyes, Technikexperte Norandino, Fernando Reyes, Geschäftsführer von Norandino, Jenny Robledo, Produktionsleiterin Zuckermühle

Auf Einladung des Fairhandelshauses Gepa in Wuppertal trafen sich Weltladenverantwortliche aus Baden-Württemberg in Schorndorf. Anlass war ein Besuch der Geschäftsführung von Pidecafé/ Norandino aus Piura in Nordperu bei der Gepa in Deutschland. Da das Murger Weltlädeli gute Beziehungen zu Pidecafé hat – der Murgtalkaffee, der Trompeterkaffee in Bad Säckingen und die Kaffee-Hausmarke der Schmidts Märkte kommen aus der Region Piura – war Willi Moosmann aus Murg bei dem Treffen in Schorndorf mit dabei.

Die 1990/91 gegründete Kooperative Pidecafé ist nach Zwischenstationen zur Vermarktungs-genossenschaft Norandino herangewachsen: einem stattlichen Unternehmen mit 28 Organisationen und zwei internationalen Mitgliedern aus Italien und Frankreich. 2013 hatte Norandino 5000 Mitglieder. Das bedeutet, dass 5000 Familien in der Region Piura vom fairen Handel und Bio-Anbau profitieren.

Hatte Pidecafé anfangs einen einzigen Container mit 17 Tonnen Rohkaffee an die Gepa geliefert, so sind es inzwischen 120 Container. Da die Kaffeebauern über die Banken in Peru nur sehr schwer Kredite bekommen können, wurde als zweites Standbein von Norandino eine Spar- und Kreditgenossenschaft gegründet. Um die Abhängigkeit vom Weltmarkt und die Probleme bei Missernten zu verringern, wurde die Produktion inzwischen auf Kakao – er gedeiht auch noch gut ab 2000 Metern Höhe über der Kaffeeanbauzone –, Bananen, Marmelade und vor allem den Roh-Rohrzucker Panela ausgeweitet. Wie die Produktionsleiterin Jenny Robledo, zuständig für die Zuckerproduktion bei Norandino, berichtete, gibt es eine große Nachfrage nach fair gehandeltem Panela-Zucker. Zusammen mit der Universität in Piura werde an der Steigerung der Produktivität gearbeitet. Auch die Verpackung werde vor Ort hergestellt.

Mit großer Aufmerksamkeit wurde in der Weltladen-Runde registriert, dass inzwischen nur noch etwa fünf Prozent des Kaffees über den konventionellen Markt vermarktet wird, während dies in den Anfangsjahren über 40 Prozent waren. Das heißt, fast die gesamte Produktion wird über den fairen Handel exportiert.

Auf die bohrenden Fragen der baden-württembergischen Weltladen-Vertreter – bei denen Murg seit Jahren als beispielhafter Standort gilt – nach der Wirkung des fairen Handels antworteten die Geschäftsführer souverän und selbstbewusst. "Die Arbeit der Frauen wird aufgewertet. Sie übernehmen die Führung von Basisorganisationen", so Fernando Reyes von Norandino. Die Kriterien des Bio-Anbaus und des fairen Handels werden garantiert. Dafür sorgt ein internes wie externes Kontrollsystem. "Die Lethargie ist zugunsten eines starken Selbstbewusstseins der Norandino-Mitglieder gewichen. Die Bauern bekommen mehr Land, die Produktivität steigt, so erhalten die Familien mehr Geld. Die steigende Kaufkraft führt zur besseren lokalen wirtschaftlichen Infrastruktur. Nutznießer der Entwicklung sind die Kinder. Sie erhalten bereits Stipendien von der Norandino-Bank für das Studium", sagte Kleber Cruz Gracia aus Köln, Kaffee-Experte bei der Gepa. Beim ersten Stadtfest des fairen Handels in Bad Säckingen im vorigen Jahr röstete er den Trompeterkaffee.

"Ich möchte auch so eine Toilette haben wie die Kooperative", erzählte Jenny Robledo von den Kaffeebauern, die Druck bei ihren Kommunen machen und Wasser- und Abwasserversorgung einfordern. Hygiene ist die erste Voraussetzung für eine gelingende Gesundheitsvorsorge.

Murg-Besucher Aponte ist nun Chefberater im Ministerium

"Die peruanische Regierung ist interessiert, in Norandino zu investieren", berichtet José Rojas, Geschäftsführer von Cepicafé. Die Erfolge des fairen Handels bewirkten ein Umdenken in der Regierung. So sei Augusto Aponte, früher leitender Direktor bei Pidecafé, der am 18. September 2008 von Bürgermeister Adrian Schmidle in Murg empfangen worden war, inzwischen Chefberater im Landwirtschaftsministerium in Lima.

Mit Genugtuung stellt Willi Moosmann, Vorsitzender der Fairen Einen Welt in Murg als Vertreter des Weltlädelis fest: "Die Tagung in Schorndorf und das Treffen mit Norandino hat alle Erwartungen übertroffen. Es hat überdeutlich gezeigt, welche positiven Wirkungen es hat, fair gehandelte Produkte zu kaufen. Da ist bei uns noch viel Luft nach oben."

In der Laufenmühle in Welzheim, in der der Pidecafé el Mundillo geröstet wird
von links: Jose Rojas, Geschäftsführer von Cepicafé, Kleber Cruz Garcia, Produktmanager Kaffee bei der Gepa, Willi Moosmann von Murgs Weltlädeli und Norandino-Geschäftsführer Fernando Reyes
In der Laufenmühle in Welzheim, in der der Pidecafé el Mundillo geröstet wird
von links: Jose Rojas, Geschäftsführer von Cepicafé, Kleber Cruz Garcia, Produktmanager Kaffee bei der Gepa, Willi Moosmann von Murgs Weltlädeli und Norandino-Geschäftsführer Fernando Reyes

(Quelle: Badische Zeitung, 26.08.2016)

 

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